Mit Email vom 29.05.2026 hat die DUH/FDP Gruppe nachfolgend öffentliche Anfragen zu diesem Thema gestellt. (Die Antwort der Verwaltung ist kursiv dargestellt.)
Vorbemerkung zur Methodik des IW-Gemeindechecks
Der IW-Gemeindecheck des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) untersucht bundesweit die Qualität der Daseinsvorsorge in allen 10.817 Städten und Gemeinden Deutschlands. Grundlage sind 17 Indikatoren aus den fünf Themenfeldern Digitales, Gesundheit, Mobilität, Freizeit und Bildung.
Bewertet werden unter anderem die Mobilfunk- und Breitbandversorgung, die Erreichbarkeit von Hausärzten, Krankenhäusern, Apotheken und Pflegeeinrichtungen, die Anbindung an den Schienenverkehr, Autobahnen und Flughäfen sowie die Erreichbarkeit von Bildungs- und Freizeiteinrichtungen. Die Berechnungen erfolgen auf Basis kleinräumiger 100-mal-100-Meter-Zensuszellen und werden zu einem Gesamtindex zusammengeführt.
Ergänzend wurde im Jahr 2025 eine bundesweite repräsentative Bevölkerungsbefragung mit 5.455 Teilnehmerinnen und Teilnehmern durchgeführt. Ziel war es, die objektiv gemessene Daseinsvorsorge mit der subjektiven Wahrnehmung der Bürgerinnen und Bürger zu vergleichen.
Bei der Einordnung der Ergebnisse ist zu berücksichtigen, dass der Gemeindecheck vor allem die Verfügbarkeit und Erreichbarkeit von Einrichtungen innerhalb bzw. in unmittelbarer Nähe einer Kommune bewertet. Die besondere Situation von Umlandkommunen wie Hemmingen, deren Einwohnerinnen und Einwohner in hohem Maße die Infrastruktur und Angebote der Landeshauptstadt Hannover sowie der gesamten Region nutzen, kann dabei nur teilweise abgebildet werden. Das Ranking stellt daher eine standardisierte Vergleichsgröße dar, die Hinweise auf Stärken und Entwicklungspotenziale liefert, jedoch nicht die gesamte Lebenswirklichkeit vor Ort erfasst.
Zudem scheint sich der Gesamtrang nicht aus dem Durchschnitt der Einzelplatzierungen in den fünf Kategorien zu ergeben. Vielmehr werden wohl die standardisierten Indexwerte der einzelnen Bereiche zu einem Gesamtindex zusammengeführt, sodass einzelne Stärken oder Schwächen unterschiedlich stark in die Gesamtbewertung einfließen können.
Unabhängig von der Rangplatzierung ist hervorzuheben, dass die Stadt Hemmingen im IW-Gemeindecheck insgesamt weiterhin der Bewertungsstufe „sehr gut“ zugeordnet wird. Dies verdeutlicht, dass die Daseinsvorsorge in Hemmingen insgesamt auf einem hohen Niveau liegt. Die vergleichsweise etwas niedrige Platzierung im bundesweiten Ranking ist daher vor allem als Ergebnis eines sehr engen Vergleichsmaßstabs zwischen den Kommunen zu verstehen und nicht als Hinweis auf grundlegende Versorgungsdefizite vor Ort.
Insbesondere im Themenfeld Mobilität ist nach jetzigem Stand zu berücksichtigen, dass zahlreiche dem Gemeindecheck zugrunde liegende Daten auf Auswertungen des Zensus 2022 beruhen dürften. Die für Hemmingen infrastrukturell bedeutsame Verlängerung der Stadtbahnlinie 13 bis Hemmingen wurde jedoch erst im Dezember 2023 in Betrieb genommen. Es kann daher nicht ausgeschlossen werden, dass die erheblich verbesserte Anbindung an den schienengebundenen öffentlichen Personennahverkehr in den verwendeten Datengrundlagen noch nicht oder nur teilweise berücksichtigt wurde. Die Stadtbahn hat die Erreichbarkeit der Landeshauptstadt Hannover sowie die Vernetzung innerhalb der Region nachhaltig verbessert und dürfte die tatsächliche Mobilitätsqualität Hemmingens heute besser abbilden als dies in den zugrunde liegenden Daten des Rankings zum Ausdruck kommt. Ggf. kommt auch in Betracht, dass beim IW Gemeindecheck Schienenverkehr betrachtet wird. Unklar bleibt, ob ein Straßenbahnanschluss berücksichtigt wird, oder ein S-Bahnverkehr bspw. vorrangig betrachtet wird.
- Warum schneidet Hemmingen im bundesweiten IW-Daseinsvorsorge-Index vergleichsweise schwach ab, obwohl wir als Teil der Region Hannover eigentlich eine gute Nähe zu einer Großstadt haben?
Welche strukturellen Faktoren (z. B. Siedlungsstruktur, demografische Entwicklung oder fehlende kritische Masse) sehen Sie als Hauptursachen, und welche konkreten Maßnahmen planen Sie, um im nächsten Ranking spürbar aufzusteigen?
Das IW-Ranking basiert auf standardisierten Indikatoren zur Daseinsvorsorge und bildet nicht alle standortspezifischen Vorteile Hemmingens ab. Die vergleichsweise schwache Platzierung ist insbesondere auf die kleinteilige Siedlungsstruktur, die begrenzte Einwohnerzahl sowie die Abhängigkeit von regionalen Angeboten in Hannover zurückzuführen. Viele Einrichtungen werden von Hemminger Bürgerinnen und Bürgern genutzt, befinden sich jedoch außerhalb des Stadtgebietes und fließen daher nicht unmittelbar in die Bewertung ein.
Die Stadt arbeitet kontinuierlich an der Verbesserung der örtlichen Infrastruktur. Ziel ist es, die örtliche Angebotsdichte weiter zu erhöhen und die Erreichbarkeit zentraler Dienstleistungen zu verbessern.
- In welchen der fünf Subkategorien (Digitales, Gesundheit, Mobilität, Freizeit, Bildung) schneidet Hemmingen besonders schlecht ab, und warum?
Zum Beispiel: Gibt es Defizite bei der Arztversorgung, der Erreichbarkeit von weiterführenden Schulen, dem ÖPNV-Angebot außerhalb der Hauptachsen oder bei schnellem Internet in den Randlagen? Welche Investitionen oder Kooperationen (z. B. mit der Region Hannover) wären nötig, um hier kurz- bis mittelfristig Verbesserungen zu erreichen?
Nach den veröffentlichten Ergebnissen bestehen die größere Herausforderungen insbesondere in den Bereichen Gesundheit, Mobilität und teilweise Freizeitangebote. Die Ursachen liegen weniger in fehlenden Angeboten als vielmehr in den Bewertungsmaßstäben des Rankings, die die unmittelbare Verfügbarkeit innerhalb der Stadtgrenzen betrachten.
Bei der Gesundheitsversorgung wirken sich insbesondere die bundesweiten Entwicklungen im haus- und fachärztlichen Bereich aus. Im Mobilitätsbereich bestehen Verbesserungsmöglichkeiten bei der Anbindung einzelner Ortsteile und bei der Vernetzung verschiedener Verkehrsträger. Gleichzeitig ist darauf hinzuweisen, dass die inzwischen realisierte Stadtbahnanbindung im Datensatz möglicherweise noch nicht vollständig berücksichtigt wurde. Die Stadt arbeitet insgesamt eng mit der Region Hannover zusammen und setzt sich für Angebotsverbesserungen im ÖPNV sowie den weiteren Ausbau der Radverkehrsinfrastruktur ein.
- Wie erklären Sie sich, dass vergleichbare Umlandgemeinden der Region Hannover (z. B. Laatzen, Ronnenberg oder Gehrden) teilweise deutlich besser abschneiden?
Welche konkreten Vorbilder oder Best Practices aus besser platzierten Kommunen ähnlicher Größe und Lage wollen Sie auf Hemmingen übertragen?
Kommunen wie Laatzen, Ronnenberg oder Gehrden verfügen teilweise über andere infrastrukturelle Ausgangsbedingungen, größere zentrale Einrichtungen oder eine andere Siedlungsstruktur zudem über eine Anbindung an den überörtlichen Personennahverkehr (S-Bahn). Dadurch erzielen sie bei einzelnen Indikatoren bessere Bewertungen. In den Städte Laatzen und Gehrden befindet sich jeweils ein Krankenhaus, welches im Ranking zu einer deutlich besseren Platzierung führt.
Die Stadt beobachtet erfolgreiche Maßnahmen vergleichbarer Kommunen, insbesondere bei der Digitalisierung von Verwaltungsleistungen, der Mobilitätsentwicklung sowie bei interkommunalen Kooperationen.
- Welche Rolle spielen die kommunalen Finanzen und der Investitionsrückstau bei den Defiziten in der Daseinsvorsorge?
Können Sie priorisierte Projekte nennen, die Sie in den nächsten Haushaltsjahren umsetzen wollen, um das Ranking zu verbessern?
Die finanzielle Leistungsfähigkeit einer Kommune beeinflusst unmittelbar die Geschwindigkeit, mit der Infrastrukturprojekte umgesetzt werden können. Gleichzeitig bestehen bundesweit erhebliche Kostensteigerungen bei Bau- und Infrastrukturmaßnahmen. Zu den priorisierten Vorhaben zählen die Weiterentwicklung der Bildungs- und Betreuungsinfrastruktur, Investitionen in die digitale Verwaltung, Maßnahmen zur Aufwertung öffentlicher Räumen und Instandsetzung der kommunalen Infrastruktur (Kanäle und Straßen). Die konkrete Umsetzung erfolgt im Rahmen der jeweils verfügbaren Haushaltsmittel.
- Das IW-Gutachten zeigt, dass objektive Versorgungslücken oft stärker wahrgenommen werden und zu politischer Unzufriedenheit führen.
Wie wollen Sie die Bürgerinnen und Bürger besser einbinden und kommunizieren, welche Fortschritte bei der Daseinsvorsorge geplant sind, damit Hemmingen nicht nur objektiv, sondern auch in der subjektiven Wahrnehmung besser abschneidet?
Die Ergebnisse des IW-Gutachtens zeigen, dass die subjektive Wahrnehmung der Lebensqualität eine wichtige Rolle spielt. Die begleitende Bevölkerungsbefragung macht deutlich, dass die Bewertung der Daseinsvorsorge nicht allein von objektiven Kennzahlen abhängt. Erwartungen, persönliche Erfahrungen und die öffentliche Wahrnehmung beeinflussen die Einschätzung der Bürgerinnen und Bürger erheblich.
Die Stadt setzt daher auf eine transparente Kommunikation über laufende Projekte. Einwohnerinnen und Einwohner werden über Beteiligungsverfahren, Informationsveranstaltungen sowie die städtischen Kommunikationskanäle frühzeitig eingebunden.
Vor diesem Hintergrund ist es wichtig, die Ergebnisse des Gemeindechecks als Anlass für eine sachliche Analyse und kontinuierliche Weiterentwicklung zu nutzen. Ungeachtet der Rangplatzierung bestätigt die Einstufung „sehr gut“, dass Hemmingen bereits heute über eine leistungsfähige Daseinsvorsorge und eine hohe Lebensqualität verfügt.
